Diagnose Angststörung: 6 Tipps für Angehörige

Selina Vogt

Selina Vogt

Psychologin

5 Minuten Lesezeit

Eine psychische Störung wie eine Angststörung verändert nicht nur den Alltag der betroffenen Person, sondern auch das Leben von Familie, engen Freund:innen oder Partner:in.

Diagnose Angststörung: 6 Tipps für Angehörige

Als Angehörige:r bist du ein wichtiger Bestandteil des Behandlungsprozesses. Allerdings kann die Situation auch für dich selbst belastend sein und Herausforderungen mit sich bringen.

In diesem Artikel erfährst du, wie du eine betroffene Person im Alltag unterstützen kannst und welche Hilfsangebote es auch für dich als Angehörige:r gibt.

Kommunikation

Als Vertrauensperson bist du für eine Person mit einer Angststörung besonders wichtig. Nimm die Angstgefühle immer ernst und begegne ihnen nicht mit Unverständnis. Sätze wie „Stell dich nicht so an“ oder „Reiß dich zusammen“ können viel Schaden anrichten, auch wenn sie gut gemeint sind. Versuche stattdessen Verständnis zu zeigen und zuzuhören.

In einer akuten Angst- oder Paniksituation kann es sein, dass die Person gerade nicht in der Lage ist, klar zu kommunizieren. Wenn du dich fragst, wie du der Person bei Panikattacken helfen kannst, beachte am besten folgende Hinweise:

  1. Sprich in kurzen Sätzen, die auch mit einem Kopfnicken oder Kopfschütteln beantwortet werden können.

  2. Bitte die Person, dir ihr Erleben mitzuteilen, indem du zum Beispiel fragst: „Hilft es, wenn ich mich zu dir setze?“ oder „Soll ich dich begleiten?“

Hilfe durch Therapie

Es kann lange dauern, manchmal Jahre, bis sich betroffene Personen professionelle Hilfe suchen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Scham, Stigmatisierung, aber auch die Hoffnung, es alleine zu schaffen. Wichtig ist, keinen Druck auszuüben. Wenn du aber merkst, dass die Person leidet, kannst du vorsichtig das Gespräch suchen. Teile ehrlich deine Beobachtungen, bleib dabei ruhig und wertschätzend. Mache klar, dass professionelle Unterstützung kein Zeichen von Schwäche ist. Es erfordert Mut, sich Hilfe zu holen. Aber professionelle Unterstützung kann wirklich etwas verändern und Betroffenen helfen, Stück für Stück wieder mehr Lebensfreude und Freiheit zurückzugewinnen.

Leider ist es oft nicht einfach, einen Therapieplatz zu finden. Tipps für die Suche findest du in unserem Artikel zur Therapieplatzsuche. Für die Überbrückung der Wartezeit gibt es mittlerweile auch digitale Angebote. Mindable Health bietet digitale Therapieprogramme für verschiedene Angststörungen, die auf kognitiver Verhaltenstherapie basieren und deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Die Kosten werden vollständig von der Krankenkasse übernommen.

-> Mindable: Panik & Agoraphobie

-> Mindable: Soziale Phobie

Die richtige Unterstützung

Wenn eine Person in der Familie oder die Partner:in an einer Angststörung leidet, muss oft auch das direkte Umfeld seine Pläne oder Verhaltensweisen anpassen. Es kann zum Beispiel sein, dass bei einer Autofahrt ein Umweg gefahren werden muss, um einen Tunnel zu vermeiden oder gemeinsame Ausflüge und Freizeitaktivitäten abgesagt werden. Der ganze Alltag dreht sich plötzlich um Situationen, die als bedrohlich empfunden werden, und wie sie gemieden werden können.

Unbedingt wichtig bei diesen Anpassungen ist, nicht unbewusst das Vermeidungsverhalten zu verstärken. Nimm der betroffenen Person also nicht alle Aufgaben ab, sondern versuche, sie zu ermutigen, sich angstbehafteten Situationen zu stellen. Konkrete Ziele können hierbei helfen, sich langsam an die Bewältigung der Angst zu tasten. Behalte im Hinterkopf, die erkrankte Person nicht unter Druck zu setzen und schätze auch kleine Erfolgserlebnisse wert. Nur durch eine direkte Auseinandersetzung können Ängste langfristig abgebaut werden.

Mindable Health

Digitale Hilfe bei Angststörungen

Wissenschaftlich fundiert, flexibel im Alltag einsetzbar und kostenfrei auf Rezept. Die digitalen Therapieprogramme von Mindable helfen, Ängste langfristig zu bewältigen.

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Informationen sammeln

Um die Herausforderungen einer Angststörung besser zu verstehen, ist es hilfreich, sich mit dem Störungsbild vertraut zu machen. Hier findest du eine Übersicht zu verschiedenen Angststörungen.

Je besser du die Erkrankung verstehst, desto leichter fällt es, Verhaltensänderungen einzuordnen und die betroffene Person zu unterstützen. Anlaufstellen wie die Deutsche Angst-Hilfe bieten gezielt Informationen und Angebote für Angehörige. Auch einige Kliniken und Verbände stellen kostenlose Informationsveranstaltungen oder Beratungsangebote für Angehörige zur Verfügung.

Auf sich selbst achten

Die Diagnose einer psychischen Störung kann bei dir als Angehörige:r ganz unterschiedliche Gefühle auslösen: von Bestätigung und Verständnis bis hin zu Unsicherheit, Hilflosigkeit und Scham. Was du auch fühlst, nimm dir Zeit, dich damit auseinanderzusetzen.

Deine Unterstützung ist für Betroffene von großer Bedeutung. Gleichzeitig ist es wichtig, auf deine eigenen Grenzen zu achten. Es ist dein gutes Recht, dich zu schützen, wenn die Belastung zu groß wird. Pflege Kontakte und integriere Dinge in deinen Alltag, die dir Freude bereiten.

Hilfe in Anspruch nehmen

Du kannst dich auch entlasten, indem du Verantwortung abgibst. Nimm professionelle Hilfe an, die zum Beispiel manche Kliniken zur Verfügung stellen. Einige Einrichtungen bieten sogar Gesprächsrunden für Angehörige an, in denen du dich mit Menschen in einer ähnlichen Situation austauschen kannst. Auch Selbsthilfegruppen können Trost spenden, genauso wie Angebote der Telefonseelsorge. Aber natürlich kannst auch du selbst Kontakt zu Therapeut:innen aufnehmen, die dir bei dem Umgang und der Bewältigung dieser Situation helfen können.

Hier kannst du deutschlandweit suchen, wo und welche Selbsthilfegruppen es gibt.

Weiterhin kannst du Angebote der Telefonseelsorge in Anspruch nehmen:

Fazit

Eine Angststörung betrifft nicht nur die betroffene Person, sondern auch ihr Umfeld. Als Angehörige:r kannst du viel bewirken: durch verständnisvolle Kommunikation, die richtige Unterstützung im Alltag und indem du auch auf dich selbst achtest.

Wenn du praktisch unterstützen möchtest, kannst du der betroffenen Person zum Beispiel digitale Angebote wie die Therapieprogramme von Mindable Health empfehlen. So hilfst du, den ersten Schritt zu gehen und kannst gleichzeitig ein Stück Verantwortung abgeben.

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